Schrift – wie alles begann

Also schreiben lernt man in der Schule, das ist ja mal klar, das war doch schon immer so, oder? Seid ehrlich, habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Wann die Schrift entstanden ist? Wie hat sie mal ausgesehen? Ich habe es in den letzten Wochen intensiv getan und es ist interessant – das sage ich als absolute Niete in Geschichte, es ist spannend.

Die Geschichte der Schrift reicht weit zurück, das hätte ich nicht gedacht, auch wenn mir nie bewusst war, dass auch sie irgendwann erfunden werden musste. Verückt. Die ersten Funde stammen aus dem Jahr 6600 vor Christus aus Henan – eine Provinz in der Volksrepublik China. Allerdings sind die Hinweise rudimentär, so dass nicht sicher belegt werden kann, ob es sich um eine wirkliche Schrift handelt. Aber um 4000 vor Christus wird es ernst: Schriftsysteme sind entwickelt worden, insbesondere in Mesopotamien und Ägypten.   Im Wesentlichen wurde die Schrift entwickelt, um Besitztümer aufzeichnen zu können und eine anständige Buchführung zu erhalten. Ist es nicht interessant, dass die Buchführung, über die alle schimpfen der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Schrift war??

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Keilschrift von qiv auf Flickr.com

In Mesopotamien wurden Tabellen über Besitztümer erstellt, zuerst mit Piktogrammen, das ist die vereinfachte bildliche Darstellung von Gegenständen. Diese wurden später zu komplexeren Gebilden zusammengefasst, sogenannte Ideogramme, wo ein Zeichen mehrere Bedeutungen hatte. Als aber der Einsatz der Schrift immer mehr gefordert war, wurde deutlich, dass diese Art des Schreibens ziemlich unpraktisch war und so wurden 2900 vor Christus Zeichen entwickelt, die der Lautschrift ähneln, die Zeichen bilden keinen reinen Gegenstand mehr ab, sondern den Laut für ähnlich gesprochene Objekte. Dadurch wurde schreiben wesentlich schneller, was bei der wachsenden Bürokratie wohl nötig war. Die Zeichen wurden in mit einem Griffel oder Keil in weichen Ton gedrückt, daher nennt man sie Keilschrift. 1760 vor Christus übernahmen Babylon und viele andere Städte das System und so entstanden damals tatsächlich schon die ersten Briefwechsel.

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Hieroglyphen von sorkin auf Flickr.com

In Ägypten entstanden zu ähnlicher Zeit die Hieroglyphen, von denen hat jeder schon mal gehört. Die Ägypter nannten sie ‚die Schrift der Gottesworte‘, da nach deren Überlieferung der Gott der Weisheit (Thot) die Hieroglyphen erschuf. Das Wort Hieroglyphen selbst besteht aus den altgriechischen Worten ‚hierós‘ = heilig und ‚glýphó‘ = in den Stein geritzt. Es handelt sich ebenfalls um Piktogramme nach Lautung, die in den Stein geritzt wurden oder auch auf Papyrus geschrieben wurden. Wir kennen die Hieroglyphen von Mauern in Pyramiden und sowas, also vorwiegend von Tempeln und Gräbern. Natürlich wurden sie dort genutzt, meist neben dem Abbild von Heiligen, oder wichtigen Personen. Aber in erster Linie diente anscheinend auch diese Schrift zur Aufzeichnung des Besitzes. Die frühsten Funde hier sind aus dem Jahr 3000 vor Christus. Aber das Interessante an Hieroglyphen ist, dass sie erst im Jahre 1822 (ja, nach Christus) von Jean-Francois Champollion entziffert werden konnten. Somit sagt man zu einer unleserlichen Schrift nicht ohne Grund Hieroglyphen…

Ich weiß, da ist unser Alphabet noch ein ganzes Stück von entfernt, aber davon erzähle ich ein andermal… Als Geschichtsniete verkrafte ich nicht so viel auf einmal 😉

[Quelle Titelbild: Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel 1563]

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