Stifte Teil II – der Kugelschreiber

Der Kugelschreiber, kurz Kuli oder in vielen Ländern auch nach seinem Erfinder Biro genannt ist meist ein billiges Plastikteil mit Mine, mit dem man schreiben kann, bis er nach kurzer Zeit austrocknet. So dachte ich jedenfalls. Klar, es gibt auch die hübsch designten von Faber Castell oder LAMY oder oder oder… die vom Material her auch hochwertiger (und teurer!!) sind. Aber da steckt doch noch einiges mehr dahinter, unser billiger Kuli, den man überall hinterhergeworfen bekommt hat ebenfalls eine Geschichte und ist klug durchdacht.

Kugelschreiber
Kugelschreiber‚ von ruediger.pretzlaff

Schon Galileo soll wohl erste Zeichnungen eines Kugelschreibers entworfen haben . Galileo hat gelebt von 1564 bis 1642 und nur zur Auffrischung unser aller Erinnerung, er hat festgestellt, dass sich nicht alles um die Erde, sondern um die Sonne dreht ;). Richtig los ging es aber erst mit László József Bíró (1938), ein Ungar der zusammen mit seinem Bruder die Grundform des uns heute bekannten Kugelschreibers herstellte, innerhalb von 18 Jahren. Könnt Ihr Euch vorstellen so lange Zeit an einer einzigen Sache zu sitzen? Und noch dazu an einem Kugelschreiber? Das hat mir imponiert und mir gezeigt, dass ein Kuli eben doch mehr wert ist als man so denkt. Der Kugelschreiber besteht aus einem Gehäuse mit Dreh- oder Druckmechanik und einer Mine – ja ich weiß, das ist nicht groß was neues. Aber wisst Ihr, wie die Mine aufgebaut ist? Sie besteht nämlich aus 3 Teilen… und zwar einem Tintenreservoir mit dickflüssiger Tintenpaste, einer das Tintenrohr abschließenden Schreibspitze und einer Schreibkugel. Die Schreibkugel ist aus einem sehr hartem keramischen Material oder aus Hartmetall, um die Abnutzung gering zu halten. Beim schreiben dreht sich die Kugel, dabei nimmt sie etwas von der Tintenpaste auf und gibt diese dann auf der anderen Seite wieder ab. Ein ausgeklüngeltes System, was? Kugelschreiber muss man meist sehr senkrecht nach unten halten, sonst hat man das Problem, dass keine Tinte mehr hinaus kommt. Das liegt daran, dass Kugelschreiber im Gegensatz zu Füllfederhaltern keine Kapillarkräfte nutzen (dies kommt im dritten Teil der Stift :)), sondern die Tinte auf Grund der Schwerkraft nach unten fließt. Also, Kugelschreiber sind nur gut zu nutzen, wenn Ihr am Schreibtisch sitzt und schreibt, nicht wenn Ihr auf der Couch liegend das Papier nach oben haltet und entspannt was aufschreiben wollt. Die Schreibkugel muss sich drehen, daher benötigt man mehr Druck zum schreiben, denn man muss diese mechanischen Abriebkräfte überwinden. Die Konsistenz der Tinte macht das Schreiben aus meiner Sicht nicht so leicht und flüssig, hat aber dafür den Vorteil, dass die Deckungskraft sehr hoch ist, sie sehr schnell trocknet und der Verbrauch der Tinte dadurch bedingt, wieder so gering ist, dass Kugelschreiber gefühlt ewig halten können – wenn sie nicht austrocken ;). Die billigen Kugelschreiber trocknen sehr schnell aus, da die Tintenpaste keine Dichtungsschicht hat, die sie vor dem Kontakt mit der Luft schützt. Die hochwertigen und teureren Kugleschreiber nutzen dafür eine Dichtungsmasse, die auf der Tintenmasse schwimmt. Die Kugeln haben einen Durchmesser von 0,7 bis 1,4mm, so dass auch sehr feines schreiben möglich ist. In Japan gibt es für besonders filligrane Arbeiten sogar 0,2mm Durchmesser. (:O Wow)

Der Preis des Kugelschreibers hat heute ein sehr breites Spektrum von umsonst – viele nutzen die Kugelschreiber als Werbegeschenke – über billig von 0,50 € zu 2,- € in Schreibwarenläden, bis hin zu weit über 60 €. Der teuerste Kugleschreiber, den ich gefunden habe liegt bei 1.000,- € von Montblanc (Etoile de Montblanc Sand, wow, das ist Wahnsinn!!) Die ersten Kugelschreiber 1945 hatten einen Preis von 8,50 US$ und in Deutschland kosteten sie 1950 rum um die 20,- DMark.

Ich sag’s ja, Kugelschreiber ist nicht mehr gleich Kugelschreiber, vielleicht muss ich einfach mal so ein Wahnsinnsteil ausprobieren anstatt der Billigdinger…

[Quelle Titelbild: Flickr.com, ‚viele Kugelschreiber‘ von Torsten Maue]

7 thoughts to “Stifte Teil II – der Kugelschreiber”

  1. Interessant, vielen Dank für den Beitrag. Ja, die Kugelschreiber haben eine lange und spannende Geschichte. Und es steckt so einiges an Technik in einem Kugelschreiber, das glaubt man gar nicht, denn ein Kugelschreiber ist eigentlich ein einfaches Produkt des täglichen Gebrauchs. Aber damit er funktioniert und nicht austrocknet müssen alle Teile perfekt aufeinander abgestimmt sein: Die Grösse der Kugel, die Stärke der Feder…
    Im Internet gibt es noch ganz andere witzige Kugelschreiber-Formen, die sich hervorragend als Geschenk eignen. Einigen davon sieht man nicht einmal an, dass sie ein Kugelschreiber sind, sie sind getarnt als Kaktus, Gewehr, Spritze oder vieles anderes. Hier kann man stöbern: http://www.kuli-shop.ch
    Es gibt sogar einen „Kugelschreiber“ der in 3 Dimensionen schreibt, der sogenannte 3D-Pen. Und vielen Dank noch einmal für den Blog-Beitrag über Kugelschreiber.

  2. Ich liebe Kugelschreiber. Vor Jahren habe ich durch Zufall einen Fisher Space Pen bei Karstadt gesehen. Der kostete stolze 32€ aber ich musste Ihn haben. Und ich muss sagen ich habe es nicht bereut, diese Mine schreibt eigentlich überall. Ob auf Holz, Metall oder Glas ist kein Problem, habe ich schon alles getestet. Laut dem Hersteller hält sie auch besonders widrige Temperaturen stand, wie in etwa -35 Grad oder bis zu + 121 Grad. Wow muss ich sagen. Die Geschichte dazu ist auch sehr interessant.
    Ich habe hier einen interessanten Artikel gefunden, wer mehr über den Fisher Space Pen wissen möchte kann mal auf diese Seite nachlesen:
    http://www.tactical-pen-test.de/fisher-space-pen

    Viele Grüße

      1. Hallo Maike,

        kann ich gerne machen. Ich bin absolut begeistert von den Space Pens. Er ist mein täglicher Begleiter 🙂
        Werde mich die Tage mal an die Arbeit machen. Ich lasse Ihn dir dann per Email zukommen.

        Viele Grüße
        Andreas

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