Zum schreiben braucht man Muskeln

Nach den letzten Freitagsbeiträgen sind Dir Deine optimale Haltung und Sitzposition doch sicher klar, oder? Jetzt geht es ans Eingemachte, zum schreiben braucht man Muskeln.  Auf meiner Reise der Kalligraphie habe ich so einiges schon mitbekommen. Oft habe ich gehört, man solle mit einem lockeren Handgelenk schreiben, dann würde es am leichtesten gehen. Der nächste sagt, man soll das Handgelenk fest machen und aus dem Arm schreiben, also mit Hilfe der Schulter den Unterarm mit stabilem Handgelenk führen. Dann habe ich mir mal meine Muskulatur beim schreiben angesehen, und die vieler anderer in meinem Umfeld… und was soll ich sagen? Wir haben vorwiegend mit den Fingermuskeln geschrieben. Okay, das brachte mich echt ins Grübeln. Aber da Grübeln auf Dauer nicht reicht, habe ich es ausprobiert. Mit einem lockeren Handgelenk schreibt es sich entspannter, das wusste ich noch von diversen Kunststunden. Dennoch ist die Hauptmuskulatur in den Fingern aktiv. Trotzdem war es akzeptabel.

Und dann kam das Experiment aus der Schulter… naja, sagen wir es sah kreativ aus. Die geraden Striche waren super, die großen Schwünge auch, aber der Rest? Wie soll man denn mit großen Muskeln, die ja bekanntlich für die Grobmotorik sind etwas so feinmotorisches wie schreiben hinkriegen?! Der Witz, es geht nicht.

Meine Frage was nun richtig ist, konnte mir niemand direkt beantworten. Aber vor kurzem habe ich einen Amerikaner auf YouTube entdeckt, der genau das erklärt hat. Lass uns das Rätsel lösen.

Je kleiner Du schreibst, desto mehr schreibst Du aus den Fingern. Die kleinen Fingermuskeln sind am besten in der Lage die kleinen akribischen Bögen der Buchstaben zu malen. Auch die engen Linien und kleinen Bewegungen bekommen diese Muskeln am besten hin. Um diese Aktivität optimal zu gewährleisten, hältst Du den Stift, den Federhalter am besten weit unten, also nahe der Spitze fest. Das ermöglicht Dir ebenfalls sehr gut und dosiert den Druck auszuüben, damit sich die Feder spreizt. Zu Deiner Erinnerung, es geht hier insbesondere um Kalligraphie mit der Spitzfeder, aber vieles ist auch auf andere Stiftarten übertragbar.

Wenn Du den Federhalter weiter oben fasst, wirst Du automatisch mehr aus dem Handgelenk schreiben. Du wirst feststellen, dass Du in diesen Momenten auch größer schreibst. Das Handgelenk pusht Deine Bewegungen mehr, aber Du hast noch relativ viel Kontrolle über kleine Bewegungen. Hier findet eine Kombination der Bewegungen der Finger- und Unterarmmuskulatur statt.

Von der höheren Stifthaltung ist der Schritt zur Bewegung der Schulter nicht mehr weit. Große Bewegungen wie lange möglichst gerade Linien und Schwünge werden aus der Schulter gesteuert. Die kleinen Muskeln würden so viel überkorrigieren, dass die Linie nicht gerade, sondern viele kleine Ecken aufweist. Wenn Du sehr groß schreibst, beispielsweise auf einem Plakat, dann hilft es hier komplett aus der Schulter zu schreiben, um möglichst saubere Kanten zu erhalten.

Du siehst also, Kalligraphie ist eine große Herausforderung…

[Quelle Titelbild: unsplash.com, „Kobu Agency“ von @kobiagency]

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